Was wäre ein E-Auto jetzt schön
Warum die hohen Ölpreise eine Chance sein können
Nervt es euch gerade auch so, wenn ihr tanken müsst? Seit Wochen kostet ein Liter Benzin mehr als zwei Euro, teilweise deutlich mehr. Und man wird den Eindruck nicht los, dass das nicht nur die Auswirkungen von Donald Trumps Iran-Krieg sind – sondern dass sich nebenbei auch noch die Mineralölkonzerne die Taschen voll machen.
Ihr wisst: Ich schreibe in diesem Newsletter darüber, wie Veränderung eine Chance sein kann. Der heftig veränderte Ölpreis ist natürlich erst mal ein Problem – für viele Menschen sogar ein arges (zumal er auch Folgen für die Industrie hat, Jobs bedroht und bald zu steigenden Preisen im Supermarkt führen wird). Ich will dieses Problem nicht kleinreden. Aber ich will mit diesem Text dafür werben, den hohen Ölpreis auch als Chance zu sehen. Als Chance, neu zu denken, im Kleinen wie im Großen.
Hier ein paar Ideen dazu:
Wir können E-Autos mit neuen Augen sehen. Nicht als Gefahr für Deutschland, wie populistische Verbrenner-Fans aus der Politik es tun. Sondern als Schutz für unser Portemonnaie. Wer ein E-Auto fährt, kann entspannt an jeder Tankstelle vorbeidüsen und still in sich hineinlächeln – erst recht, wenn er eine PV-Anlage auf dem Dach hat und von April bis Oktober mit kostenlosem, selbst produziertem Sonnenstrom fährt. Wer bisher noch Zweifel am Umstieg gehabt hat, denkt jetzt vielleicht um – weil er ahnt: Das rechnet sich schneller als gedacht.
Wir können neu übers Autofahren denken. Ja, das fällt schwer im Autofahrerland Deutschland, das geprägt ist von Slogans wie „Freie Fahrt für freie Bürger“. Aber wen der Spritpreis wirklich schmerzt, der kann natürlich überlegen, welchen Weg er auch mit dem Rad oder der Bahn erledigen kann, wo sich Fahrgemeinschaften bilden lassen und ob er auf der Autobahn nicht freiwillig ein persönliches Tempolimit einführen will – weil der Verbrauch mit 110 km/h eben deutlich geringer ist als mit 140.
Wir können die Bahn neu machen. Klar, sie ist oft ein Desaster: unpünktlich, überfüllt, dreckig – oder gar nicht erst da. Aber das muss nicht so bleiben. Wenn die Bundesregierung die Bahn zur Priorität erklärte und den Druck aufs Management erhöhte, könnte Schlechtes schneller besser werden als bisher. Auch die hohen Ticketpreise sind kein Naturgesetz, sondern politischer Wille. Wenn die Bahn günstiger wäre, würden viele Menschen sie eher als Alternative zu Auto oder Flugzeug begreifen. Litauen kann da ein Vorbild sein: Dort hat das staatliche Bahnunternehmen wegen der Energiekrise gerade die Preise aller Tickets für Fahrten im nationalen Schienennetz halbiert – für mindestens zwei Monate.
Wir können eine neue Energiepolitik fordern. Schon nach dem Beginn von Russlands Angriffskrieg in der Ukraine sind die Energiepreise massiv gestiegen. Jetzt, durch das Bombardement der USA und Israels auf den Iran und die blockierte Straße von Hormus, klettern sie erneut. Klug wäre, wenn die deutsche Regierung mit maximaler Entschlossenheit Sonnen- und Windkraft ausbaute, das Stromnetz modernisierte und Speicherkapazitäten erhöhte. Denn je mehr Energie wir selbst produzieren, desto unabhängiger sind wir von Öl und Gas aus Schurkenstaaten und unsicheren Weltregionen. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche aber bremst die Energiewende aus und stellt die deutschen Klimaziele infrage. Und manch ein Unionspolitiker verzettelt sich in Phantomdebatten über ein Kernkraft-Comeback. Jede Bürgerin und jeder Bürger kann eine Mail an seinen Bundestagsabgeordneten schreiben – und fragen, was dieser Unsinn soll. Ein Tipp für alle, die mehr dazu wissen wollen: Wie die Importe fossiler Brennstoffe Deutschlands Sicherheit gefährden und uns politisch erpressbar machen, beschreiben die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres in ihren Büchern „Die Milliarden-Lobby“ und „Die Sicherheitslüge“.
Wir können erneuerbare Energien neu betrachten. Seit vielen Jahren warnen Klimaforscher vor den verheerenden Folgen der Erderhitzung. Jeder halbwegs informierte Mensch weiß: Wenn wir unseren Kindern und Enkeln eine lebenswerte Welt hinterlassen wollen, müssen wir raus aus dem fossilen Zeitalter und rein in die erneuerbaren Energien. Die Ölpreiskrise jetzt zeigt: Die Energiewende ist nicht nur eine Investition in die Zukunft unserer Liebsten, sondern sie hilft auch, Deutschlands Wohlstand, Freiheit und Unabhängigkeit zu sichern. Klingt sinnvoll, oder?
Wir können neu auf die mediale Berichterstattung schauen. Populistische Medien wie die Bild-Zeitung pöbeln seit langem gegen die Energiewende und verunglimpfen neue Techniken wie Wärmepumpen. Sie fordern: Freiheit im Heizungskeller! Mit jeder Energiekrise aber wird klarer: Eine Ölheizung zu haben, ist nicht Freiheit im Heizungskeller, sondern ein Problem im Portemonnaie. Eine Wärmepumpe ist die deutlich smartere, weil günstigere Lösung. Auch in der aktuellen Debatte thematisiert die Bild nur das Problem, dass Tanken teuer ist (Spritkrise! Teuer-Schock!), statt über mögliche Lösungen zu informieren. Wer differenzierte Einordnungen über Klimaberichterstattung sucht, dem seien das exzellente neue Portal brandmelder sowie das ebenfalls hervorragende Portal klimafakten empfohlen.
Wir können neu lernen, mit Krisen zu leben. Ja, es stimmt, die Welt kommt aus dem Krisenmodus gar nicht mehr heraus. Das strengt an. Helfen könnte, ab und an daran zurückzudenken, wie wir die Krisen der vergangenen Jahre überstanden haben, vor allem die Corona-Pandemie und den Beginn des Ukraine-Kriegs mit vielen Geflüchteten. Was immer geholfen hat, waren Zusammenhalt und Solidarität, entschlossene politische Antworten, die Besinnung auf Lösungen statt auf Probleme. In der Corona-Zeit haben kluge Experten gesagt: Lasst uns die Pandemie als eine Art Trainingslager für die viel größeren Krisen sehen, die noch kommen werden. Heute können wir auf diesem Trainingslager aufbauen. Wir sind der Krise nicht hilflos ausgeliefert. Wir können etwas tun. Ein paar Ideen habe ich in diesem Text genannt. Ihr habt sicher noch viel mehr, oder?
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Ein schönes Osterwochenende – und bis zum nächsten Mal: alles Gute!
Andreas


Nachhaltigkeit im Alltag beginnt oft mit einfachen Entscheidungen. Mein Auto ist inzwischen 14 Jahre alt und hat rund 190.000 Kilometer auf dem Tacho. Solange es zuverlässig fährt, sehe ich keinen Grund, es zu ersetzen – denn auch das Weiterfahren eines bestehenden Fahrzeugs ist eine Form von Ressourcenschonung.
Viele meiner Wege lege ich ohnehin anders zurück. Etwa 10.000 Kilometer im Jahr fahre ich mit der Bahn, und für kurze Strecken steige ich selbstverständlich auf das Fahrrad um.
Ein neues Elektroauto wäre zwar aus heutiger Sicht für manche eine naheliegende Option, doch als Rentner kann und möchte ich mir eine solche Anschaffung nicht leisten. Für mich bedeutet nachhaltige Mobilität deshalb vor allem: vorhandene Dinge möglichst lange nutzen und bewusst zwischen Auto, Bahn und Fahrrad zu wählen.
Ich hätte schon gern ein E-Auto, aber die Anschaffungskosten sind sehr hoch, die Reichweite bei kleinen Fahrzeugen erbärmlich, billige chin. Modelle werden EU-weit zurück gedrängt zugunsten der heimischen Autoindustrie, Strom tanken extern ist teuer und hochgradig intransparent. Es ist zum Verzweiflen. Insofern sind die hohen Benzinpreise m. E. keine Chance.