Die Wow-Show
Rockin Lohne zeigt, wie eine kleine Stadt zu einer gigantischen Band werden kann
Gestern Abend habe ich ein Konzert erlebt, von dem muss ich euch erzählen. 110 Musikerinnen und Musiker haben zusammengespielt, die jüngsten nicht mal zehn Jahre alt, die ältesten um die 60 – und alle perfekt auf den Punkt. Die Lichtshow: exzellent wie in den größten Stadien. Der Sound: ein Traum. Die Songs: lauter Kracher. „When I Come Around“ zum Beispiel, „Bella Napoli“ oder „Seven Nation Army“. Und zum Schluss: „Ein Kompliment“ von Sportfreunde Stiller.
Ihr merkt schon: Dieser Text ist eine Liebeserklärung. Denn was meine Heimatstadt da gestern mit dem Projekt Rockin Lohne auf die Bühne gezaubert hat, das war eine Sensation. Für alle Nicht-Lohner unter den Lesern: Ich schreibe das nicht aus verklärtem Lokalpatriotismus. Sondern weil das Projekt gezeigt hat, was ein Abend verändern kann. Für alle, die dabei waren.
Die Jüngsten auf der riesigen Bühne im Lohneum haben gelernt, dass sie das können: vor 1000 Zuschauern auftreten und ihr Ding durchziehen. Bei einigen Songs, als Feuerwerksfontänen in die Höhe schossen, schauten sie wie hypnotisiert hin. Als alles vorbei war, haben sie so sehr gestrahlt, dass man ahnte: Diese Momente werden sie nie vergessen. Da haben sie mehr gelernt als in 13 Jahren Schule.
Die Jugendlichen in der Band haben gespürt, dass sie hier schon zu den Leistungsträgern gehören. Am Schlagzeug haben sie mit ihren Sticks getrickst, am Bass haben sie ziemlich überzeugend die coolen Rocker gegeben. Und alle haben sie es genossen, zusammen mit ihren Kumpels Teil einer solchen Wow-Show zu sein. Auch sie hatten den ganzen Abend das Glück im Gesicht.
Die Erwachsenen auf der Bühne: fühlten sich plötzlich wieder jung; spielten die Songs, die sie von früher kannten. Und standen hier nun zusammen mit der Osnabrücker Profiband „Caught Indie Act“, die das Projekt begleitete.
Das Publikum: komplett geflasht. Natürlich hatten sie alle erwartet, dass es gut wird. Aber so gut? Wahnsinn. Wie konnte das gehen: dass so viele Musikerinnen und Musiker zusammenspielen – und jeder Ton sitzt?
Rockin Lohne hat gezeigt, wie eine kleine Stadt Großes erreichen kann. Und welche Zutaten man dafür braucht:
eine Musikschule mit Lehrkräften, die nicht nur ihr Instrument überragend beherrschen, sondern auch ihre Schülerinnen und Schülern immer wieder motivieren, ihr Talent entwickeln – und auf der Bühne mit einer Begeisterung selbst mitpowern, als wäre es ihr erstes Konzert
eine Band wie „Caught Indie Act“, die Lust hat auf so ein Event – und nach den gemeinsamen Songs mit der Riesenband noch drei weitere Stunden beste Party macht
eine Organisationscombo wie den Verein Bühnentalente, in dem Vincent Kaufmann und sein Team nicht nur unfassbar viel ehrenamtliches Engagement in so ein Projekt stecken – sondern auch krasses Können, in Licht, Ton und jeder anderen Art von Technik, die eine Show auf Profi-Niveau eben braucht
eine charmante Moderatorin wie Johanna Schmoll, die weiß, dass es zwischen den Songs keine langen Reden braucht, sondern besser kurze Gags
eine Stadt, die ihre enorm kreative Kulturszene finanziell fördert – und weiß, dass ihre Strahlkraft längst weit über die Ortsgrenze hinausreicht
Eltern, die ihre Kinder unterstützen, für die Proben wie fürs Konzert selbstverständlich Instrumente quer durch die Stadt karren und den Kindern am Ende sagen, wie stolz sie auf sie sind – egal ob sie am Schlagzeug waren, an der E-Gitarre, am Bass, am Keyboard oder im Gesang
sehr, sehr viele Kinder und Jugendliche, die nicht nur Lust auf Musik haben, sondern auch Ausdauer und Talent – und die froh sind, dass sie all das in ihrer Stadt ausleben können
Das war sie, liebe Leute, meine Schwärmerei.
Ihr wisst: Die große Welt da draußen ist gerade ziemlich düster. Unsere kleine Welt aber, drinnen in der Konzerthalle in Lohne, die war einen Abend lang wie ein Traum. Klar, so ein Traum zaubert keinen Krieg und keine Krise weg. Aber er tut einfach gut.
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Bis zum nächsten Mal: alles Gute!
Andreas

